Sie ernten was Sie säen… Führungsverhalten vererbt sich

Vorab möchte ich sagen, dass sich Führungsverhalten natürlich nicht genetisch vererbt und es auch keine genetischen Grundvoraussetzungen für Führung gibt. Vielmehr spreche ich von einem Verhalten, welches sich wie ein roter Faden durch verschiedene Generationen von Führungskräften zieht.

Über 15 Jahre habe ich als Führungskraft im angestellten Verhältnis gearbeitet und bin nun seit vielen Jahren selbstständige Unternehmerin. Und eines hat sich bis heute nicht verändert: Führungskräfte sind der Spiegel ihres Unternehmens und der eigenen Vorgesetzten. Führungsstile, -kultur und -verhalten werden von Generation zu Generation weitergegeben. Dies gilt sowohl für positives, vor allem aber auch für negatives Verhalten.

Letzteres möchte ich heute in den Fokus stellen. Wenn Sie meine Blog-Artikel regelmäßig lesen, wissen Sie, dass ich weniger wissenschaftlich, sondern aus der Praxis und über meine Erfahrungen schreibe. Wenn ich diese mit Ihnen teile, finden Sie sich vielleicht darin wieder, vielleicht kann ich Sie dadurch wachrütteln oder Ihnen neue Impulse mit auf den Weg geben. Jegliche Art positiver Bewegung in der heutigen Führungswelt ist ein kleiner Erfolg!

Persönliche Voraussetzungen einer Führungskraft

Führung ist keine angeborene Fähigkeit. Es gibt jedoch Menschen, denen Führung offensichtlich leichter fällt als anderen. Dies liegt im Wesentlichen an erlernten Kompetenzen, Sozialisierung und persönlichen Charaktereigenschaften. Später werden diese Menschen, sofern sie regelmäßig selbst reflektieren, ihre innere Haltung überprüfen und sich ihrer Rollenvielfalt bewusst sind, vermutlich erfolgreicher sein als andere.

Doch was passiert, wenn das Arbeitsumfeld nicht stimmt? Wenn Führungskräfte alle positiven Eigenschaften mitbringen, diese jedoch verborgen bleiben? Wenn sie in einem Unternehmen arbeiten, welches von innen heraus kränkelt?

Dann haben diese Menschen, trotz bester persönlicher Voraussetzungen und obwohl sie aus den eigenen Reihen kommen, oftmals keine reelle Chance die Führungskraft zu sein, die sein wollen oder die das Unternehmen braucht.

Führungsweisen beeinflussen die Zusammenarbeit

Woran liegt das? Bei den Unternehmen, die ich mir in den letzten Jahren anschaute, fiel mir auf: viele Führungskräfte, grade aus dem mittleren Management, hatten den großen Wunsch nach einer besseren Führungswelt, sahen es jedoch als aussichtlos diesen jemals umsetzen zu können. Hinzu kam, dass sie nicht müde wurden über ihre Vorgesetzten zu schimpfen, die eigenen Führungsweisen jedoch nicht besser waren.

Zu diesen negativen Führungsweisen zählen mangelnde kommunikative Fähigkeiten, wenig bis kein Vertrauen, Fähnchen im Wind sein, Konflikt-Scheuheit, Gießkannen-Prinzip, Managen statt Führen, Führen über Druck und Angst, keine Feedback-Kultur, fehlende Klarheit über eigene Werte und Motive, kein Fördern von Eigenverantwortung, keine Innovation und Kreativität, keine Förderung von mitdenkenden Mitarbeitern.

Wenn ein Unternehmen in seinen Führungsebenen über Jahrzehnte so agiert, dann wird und kann sich nichts verändern. Denn jede Führungskraft, die die Nachfolge aus den eigenen Reihen antritt, wird früher oder später in dem gleichen Fahrwasser schwimmen wie der oder die Vorgänger/-in. Und nicht nur das. Auch die Mitarbeiter werden sich dem entsprechend verhalten, was ihnen ihre Führungskräfte vorleben.

Der Konflikt an Hand eines Beispiels

Eine Führungskraft wundert sich immer wieder über die nicht vorhandene Eigeninitiative ihrer Mitarbeiter. Keiner denkt mit, keiner äußert sich kritisch oder bringt neue Ideen ein. Geht auch nicht! Denn diese Mitarbeiter haben durch ihre Führungskraft vorgelebt bekommen, dass sie nur Nummern sind, die ihre Leistungen zu erbringen haben und Mitdenken oder Eigeninitiative schlichtweg nicht gefragt sind. Erfahrungen, die der Führungskraft von den eigenen Vorgesetzten vermittelt wurden.

Hier wird Verhalten über Generationen weitergegeben und viele Chancen für eine zeitgemäße Führung werden verspielt. Denn aus meiner Sicht gibt es viele Menschen, die gute Führungskräfte wären. Doch um dies aus ihnen heraus zu kitzeln, braucht es echte Vorbilder, Platz und Raum eine eigene Haltung zu entwickeln, die Möglichkeit der offenen und ehrlichen Kommunikation, eine gute Fehlerkultur sowie den Fokus auf die Menschen, die den Erfolg eines Unternehmens ausmachen. Und genau an dieser Stelle hängt das System. Festgebissen in uralten Strukturen, gespickt mit Sätzen wie „So haben wir das schon immer gemacht!“ oder „Ich bin hier der Chef, ich habe das Sagen!“, bleibt die so wichtige Veränderung in der Führungswelt auf der Strecke bzw. entwickelt sich viel zu langsam.

Talente werden nicht erkannt, Mitarbeiter sind frustriert, der Graben zwischen den Generationen wird immer größer und Unternehmen halten mit der immer schneller werdenden Arbeitswelt nicht mehr Schritt. Fluktuation auf allen Ebenen sowie mangelnde Wettbewerbsfähigkeit bringen das Fass schließlich zum Überlaufen.

Mit diesen Tipps gelingt Ihnen die Veränderung

Ich möchte Sie dazu auffordern, die Führungskraft zu sein, die Sie wirklich sein möchten – unabhängig davon, was Ihnen andere vorleben. Dies gelingt Ihnen, wenn Sie Folgendes beherzigen:

  • Haben Sie den Mut alte „Regeln“ zu brechen!
  • Stellen Sie Integrität, Glaubwürdigkeit und Klarheit in den Fokus!
  • Zeigen Sie echtes Interesse an Ihren Mitarbeitern!
  • Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Team eine Vision!
  • Fördern Sie Eigenverantwortung und Kreativität!
  • Handeln Sie integer!
  • Überprüfen Sie immer wieder sich und Ihre innere Haltung!
  • Geben Sie Orientierung!
  • Inspirieren und Fördern Sie!
  • Kommen Sie vom ICH zum WIR!
  • Verhalten Sie sich wertschätzend Ihrem Team gegenüber!

Verabschieden möchte ich mich heute mit einem Zitat:

„Management is doing things right; Leadership is doing the right things.“

Peter Drucker und Warren Bennis

Think about it!

Ihre Verena Kiy